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Unbeschränkte Steuerpflicht auf Antrag
 
 Regelung für Nicht-EU-Bürger mit Wohnsitz außerhalb der EU
 
Die nachfolgenden Regelungen gelten für Sie, wenn
 
- Sie zwar Staatsangehöriger eines EU-/EWR-Mitgliedsstaates sind, Ihr Wohnsitz bzw. der Wohnsitz des Ehegatten aber in einem Land (wie Thailand) außerhalb der EU/EWR liegt.
 
- Sie weder EU-/EWR-Bürger sind noch Ihr Wohnsitz in einem EU-/EWR-Mitgliedsstaat liegt.
 
Vorteile der unbeschränkten Steuerpflicht auf Antrag
 
Personenbezogene Steuervergünstigungen
 
Aufgrund Ihres Antrages auf unbeschränkte Steuerpflicht können Sie - anders als bei beschränkter Steuerpflicht - die personenbezogenen Steuervergünstigungen in Anspruch nehmen:
 
Vorsorgeaufwendungen: Arbeitnehmeranteil am Gesamtsozialversicherungsbeitrag und Beiträge zu privaten Versicherungen.
 
Sonderausgaben: Spenden und Beiträge, Ausbildungskosten usw.

ACHTUNG: Kirchensteuer kann nicht abgezogen werden, weil Personen mit Wohnsitz außerhalb Deutschlands nicht kirchensteuerpflichtig sein können. Der Sonderausgabenabzug ist auch dann unzulässig, wenn der Arbeitgeber Kirchensteuer zu Unrecht einbehalten hat.
 
Außergewöhnliche Belastungen, die Sie im Sinne des Familienrechts betreffen da Sie keine steuerliche Zusammenveranlagung beantragen können:
 
Behinderten-Pauschbetrag, Pflege-Pauschbetrag, Krankheitskosten, Kurkosten, Kosten der Ehescheidung, Kosten infolge Behinderung oder Pflegebedürftigkeit usw.
 
Entlastungsbetrag für Alleinerziehende: Leben Sie mit mindestens einem Kind im Ausland und lassen sich auf Antrag in Deutschland als unbeschränkt steuerpflichtig behandeln, haben Sie ebenfalls Anspruch auf den Entlastungsbetrag (§ 24b Abs. 1 Satz 3 EStG). Liegt der Wohnsitz in einem Nicht EU-/EWR-Staat, also in Thailand und lassen Sie sich in Deutschland auf Antrag als unbeschränkt steuerpflichtig behandeln (nach § 1 Abs. 3 EStG), haben Sie zwar keinen Anspruch auf Kindergeld, wohl aber auf den Kinderfreibetrag (§ 63 Abs. 1 Satz 3 EStG). Auch in diesem Fall gibt's den Entlastungsbetrag.
Anmerkung: Den Kinderfreibetrag gibt es nur bei leiblichen Kindern des Antragstellers.
 
- Unterhaltsleistungen an bedürftige Angehörige nach § 33a Abs. 1 EStG - auch an den Ehegatten - bis in Höhe des Unterhaltshöchstbetrages, ggf. gekürzt entsprechend der Ländergruppeneinteilung (Thailand gehört jetzt zur Ländergruppe 3, daher kann ein Halb des vorgesehenen Freibetrages geltend gemacht werden).
 
-  Unterhaltszahlungen an den geschiedenen oder getrennt lebenden Ehegatten als außergewöhnliche Belastung nach § 33a Abs. 1 EStG bis in Höhe des länderspezifischen Unterhaltshöchstbetrages, nicht jedoch im Rahmen des Realsplittings als Sonderausgaben.
 
 - Kinderfreibetrag und BEA-Freibetrag für Betreuung, Erziehung und Ausbildung, ggf. gekürzt entsprechend der Ländergruppeneinteilung. BEA heißt =  "Freibetrag fürBetreuung und Erziehung oder Ausbildung (kurz: BEA-Freibetrag).
 
-  Ausbildungsfreibetrag für volljährige Kinder in Schul- oder Berufsausbildung, die außerhalb des elterlichen Haushalts wohnen, ggf. gekürzt entsprechend der Ländergruppeneinteilung.
 
Hier die Voraussetzungen für den Ausbildungsfreibetrag:
 
 - das Kind hat das 18. Lebensjahr vollendet,
 - das Kind befindet sich in Berufsausbildung,
 - das Kind wohnt auswärts,
 - für das Kind besteht ein Anspruch auf Kindergeld oder den Kinderfreibetrag
 
Auswärtige Unterbringung ist jede auf eine gewisse Dauer angelegte Unterbringung außerhalb der elterlichen Wohnung.
Der Ausbildungsfreibetrag ist grundsätzlich in der Steuererklärung (Anlage Kind) zu beantragen.
 
- Schulgeld für den Besuch von Schulen im Ausland ist seit 2008 mit 30 %, höchstens 5 000 EUR, als Sonderausgaben absetzbar (siehe Beitrag Steuervergünstigung für Schulgeld). Dies gilt für
 
- deutsche Auslandsschulen, die von der Kultusministerkonferenz anerkannt sind (BFH-Urteil vom 14.12.2004, BStBl. 2005 II S. 518),
-   Europäische Schulen (BFH-Urteil vom 5.4.2006, BStBl. 2006 II S. 682),
-   ausländische Schulen im Ausland (EuGH-Urteil vom 11.9.2007, C-76/05 und C-318/05).
 
Familienbezogene Steuervergünstigungen
 
Folgende familienbezogenen Steuervergünstigungen werden leider nicht gewährt
-          Splittingtarif bzw. Steuerklasse III bei Verheirateten.
-          Ehebezogene Pausch- und Höchstbeträge.
-          Haushaltsfreibetrag bzw. Steuerklasse II bei Alleinerziehenden (bis 2003).
-          Abzug von Unterhaltszahlungen an den geschiedenen oder getrennt lebenden Ehegatten im Rahmen des Realsplittings.
-          Behinderten-Pauschbetrag für ein behindertes Kind (R 33b Abs. 3 EStR; BFH-Urteil vom 2.6.2005, BStBl. 2005 II S. 828).
 
Da Ihnen der Splittingtarif verwehrt bleibt, dürfen Sie Unterhaltsleistungen an den Ehegatten in intakter Ehe bis zum länderspezifischen Unterhaltshöchstbetrag als außergewöhnliche Belastungen nach § 33a Abs. 1 EStG geltend machen. Dieser wird jedoch ggf. entsprechend der Ländergruppeneinteilung gekürzt.
 
Aus Vereinfachungsgründen kann auf die Bestätigung der ausländischen Steuerbehörde verzichtet werden, wenn bereits für das Vorjahr oder für das vorvergangene Jahr eine "Bescheinigung außerhalb EU/EWR" vorliegt, die von der ausländischen Steuerbehörde bestätigt wurde, und sich die Verhältnisse nach Ihren Angaben nicht geändert haben. Die "Anlage Grenzpendler außerhalb EU/EWR" aber müssen Sie abgeben (BMF-Schreiben vom 25.11.1999, BStBl. 1999 I S. 990).
 
Am Jahresende stellt der Arbeitgeber Ihnen eine "besondere Lohnsteuerbescheinigung" aus, die Sie Ihrer Einkommensteuererklärung beilegen.
 
Einkommensteuerveranlagung
 
Zwei Fälle sind hier zu unterscheiden:
 
- Falls Sie bereits zu Jahresbeginn eine "Bescheinigung nach § 39 Abs. 2 u. 3 EStG" beantragt hatten und daher bereits während des Jahres als unbeschränkt steuerpflichtig behandelt wurden, sind Sie nun verpflichtet, eine Einkommensteuererklärung abzugeben (Pflichtveranlagung nach § 46 Abs. 2 Nr. 7b EStG). Zuständig für die Veranlagung ist das Finanzamt, das die Bescheinigung ausgestellt hatte (also ihr Betriebsstättenfinanzamt).
 
- Falls Sie nun erstmals die unbeschränkte Steuerpflicht beantragen, können Sie freiwillig eine Einkommensteuererklärung abgeben (Antragsveranlagung nach § 46 Abs. 2 Nr. 8 EStG). Zuständig ist das Finanzamt Ihres Arbeitgebers.
 
In beiden Fällen machen Sie im Steuerhauptformular auf der letzten Seite folgende Angaben:
 
Ankreuzen: "Ich beantrage, für die Anwendung personen- und familienbezogener Steuervergünstigungen als unbeschränkt steuerpflichtig behandelt zu werden" 
Ankreuzen: Die "Bescheinigung außerhalb EU/EWR" ist beigefügt .
- Angeben: Summe der ausländischen Einkünfte sowie die darin enthaltenen außerordentlichen Einkünfte
 
 
Der Einkommensteuererklärung müssen Sie beilegen:
 
die besondere Lohnsteuerbescheinigung: Diese Bescheinigung erhalten Sie von Ihrem Arbeitgeber nach Ablauf des Jahres. Darin sind im Wesentlichen die gleichen Angaben wie auf einer Lohnsteuerkarte enthalten.
 
- die "Bescheinigung außerhalb EU/EWR": In diesem Formular sind die im Ausland versteuerten Einkünfte - nicht die des Ehegatten - anzugeben und von der Steuerbehörde des Wohnsitzstaates bestätigen zu lassen (siehe unter Anmerkung).
 
Anmerkung: Diese Bescheinigung (Formblatt) wurde von der deutschen Botschaft oder den Konsulaten bis 2012 kostenlos unterschrieben, da die thailändischen Finanzämter solche Bescheinigungen nicht kennen und somit nicht unterschreiben. Ab 2013 ist nun diese Bescheinigung Gebührenpflichtig. Zurzeit werden dafür 40 Euro verlangt, ein stolzer Preis für wenig Dienstleistung meine ich.
Diese Bescheinigung können Sie per Post an die Botschaft senden zwecks Unterschrift (Sie müssen also nicht dort persönlich erscheinen).
Dazu müssen Sie eine Kopie von Ihrer ersten Paßseite (die mit dem Foto) und einen frankierten Rückumschlag mit beilegen.
 
Manfred unter Tango
 
 Quelle: Einzelne Schriftstücke/Auszüge aus „Steuerrat24.de“  
 
 Manfred unter Tango